Hollywoodkiller Martin Arnold im Verhör

Martin Arnold lebt in Paris hat gerade einen Umzug hinter sich. Die Möbel sind eingelagert.

Frage: Was hast du 2020 künstlerisch gemacht, Martin?

Wer mit dem Werk nicht vertraut ist: Der Künstler zerlegt mit großer Freude die klassische Hollywood-Illusion und deckt im Vorbeigehen genau das auf, was im glamourösen Idyll nichts zu suchen hat: Sex, Aggression, Zweifeln, Zögern. Es ist ja nicht so, dass er einen deep fake gemacht hätte, Ende des 20. Jhdts. Er ändert nur die Chronologie der Zelluloid-Frames. Das reicht!

Piece Touchée ist der künstlerische Durchbruch. Belanglose 18 Sekunden Hollywood werden zu einem absurd komischen Universum.

1997 berührt er die Frames von Hitchcocks „Psycho“ und liefert damit den 90er konformen, minimalistischen Viennale-Trailer  

Wie ist das mit dem neuen Werk? Martin legt mir nahe, sich mit Gross ́ Anatomy auseinander zu setzen.
Ich hasse das Sezieren von Leichen und Literatur darüber.

Zum Glück verschont er mich im Film damit. Im völligen Schwarz tauchen Zungen, Händchen,  Schnäuzchen von Walt-Disney-Figuren ohne Körper auf. Arnold seziert Zeichenrickfiguren und legt dabei einen subtilen Horror frei, der den Originalen versteckt innewohnt. 

„Background Check“, Still © Martin Arnold
Still © Martin Arnold

In „Full Rehearsal“ wird die Dekronstuktion noch weiter zerlegt,  mit blitzenden, vektorartigen Strahlen.  Nicht nur die Zeichnung ist fragmentiert, auch die Fragmente lösen sich in instabile Linien auf. Was ist Realität? Was ist dazwischen? Was  macht unser Gehirn daraus? Was ist Wahrnehmung? „Full Rehearsal“ kommt ohne Ton aus, es ist laut genug. 

In Tinseltown“ ist per se noch nicht freigegeben, eine preview für Galeristen oder potenzielle Käufer kann aber auch angefordert werden. Ein faszinierendes Werk, das eine neue Realität entstehen lässt. „Tinseltown“ könnte mit „Flitterstadt“ übersetzt werden, steht umgangssprachlich für Hollywood, es gibt aber auch einen gleichnamigen Film, der im Deutschen „Der Hollywoodkiller“ benannt wurde.

Jahrgang 1959, steuert Arnold seinem vorläufigen Höhepunkt entgegen und scheint subtil das Genre zu wechseln. Die neueren Filme begreife ich als zeitgemäße Installation, als fundierte Avantgarde. Das Wort „Experimentalfilm“ hat die falsche Konnotation. Arnold titelt selbst: „Form Submission – New Form“.