Kintsugi – Vergolden statt Wegwerfen

Teekanne mit Craquelé-Glasur, die erste Arbeit von Barbara © Barbara Juen-Bloéb

Der Zeitpunkt für Kintsugi könnte passender nicht sein. Konsumartikel sind aufgrund weltweit logistischer Probleme nicht mehr jederzeit verfügbar. Aber auch ohne diesen Hintergrund ist die Zeit reif, sich zu überlegen, was noch gut ist und repariert werden kann. Wiederherstellen ist eine angesagte Einstellung. 

 Kintsugi  金継ぎ, dt. „Goldverbindung, -flicken“- eine alte japanische Technik bedeutet eine charmante Aufwertung des gebrochenen Stückes, ein Zugeständnis an das Schicksal, die Geschichte eines Gegenstands. 

Warum ist etwas gebrochen? Ein Moment fehlender Konzentration. Eine Ungeschicktheit. Eine individuelle Geschichte steht hinter jedem gebrochenen Gegenstand.  Anstatt das kleine Malheur zu verbergen oder gar das Objekt wegzuwerfen wird bei Kintsugi das Objekt geklebt und der Makel darf sichtbar bleiben. Im Gegenteil, er wird sogar hervorgehoben, meist mit Gold. 

Kleine Teeschale feuergebrannt oben und kleine Vase © Barbara Juen-Bloéb

Man kann aber mit anderen Metallen restaurieren, denn die Technik erlaubt vieles, erklärt Barbara. Die Bruchstellen werden mit  Urushi-Lack geklebt, ein natürliches Harz, das vom Urushi-Baum, zu deutsch auch „Lackbaum“ gewonnen wird. 

Toxicodendron vernicifluum syn. Rhus vernicifera, dt. Lackbaum, in einem Garten in UK. © Alamy Stock Photo

Die Technik ist aufwendig, da die Substanz in feinen Schichten wiederholt aufgetragen wird und langsam trocknen muss, bevor es an das eigentliche Veredeln geht. Die Lacke enthalten Urushiole, im Rohzustand allergene Substanzen und erfordern besondere Maßnahmen bei der Verarbeitung. Das getrocknete Harz ist später völlig unbedenklich und unempfindlich gegen alle etwaigen Substanzen wie Säuren, Alkohol und Lösungsmittel, lebensmittelecht und hitzebeständig bis 180 Grad Celsius.

 Juen-Bloéb hat sich durch einen Zufall mit der alten Technik vertraut gemacht. Eine Kundin fragte bei der Restaurateurin an, und sie nahm die Herausforderung an. Nicht nur Keramik, auch Stein, Metal oder Glas kann man bearbeiten. Die Metallschicht wird erst am Ende des Prozesses auf die Bruchstelle in Pulverform aufgebracht. 

http://barbara-restauriert.at

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