Botticelli und die Millionen

„Young Man Holding a Roundel“, 1480, vom italianischen Renaissance Künstler Sandro Botticelli wird im Sotheby’s, New Bond Street platziert. © amer ghazzal/Alamy Live News

Um ca. 16.30 Uhr MEZ endete die Versteigerung des heißesten Lots des Jahres. Das Bild von Alessandro di Mariano Filipepi (1444-1510), wurde mit 70 Mio. USD ausgerufen und für glatte 80 Mio. USD verkauft, was dem Schätzpreis entsprach. (Hammer, Gesamtpreis mit Gebühren 92,2 Mio. USD). Damit war es für Sotheby´s das erfolgreichste Lot seit der Einführung des livestreams, mit Telefon und online-Bieten. Ohne Publikum.

Das mit Tempera bemalte Pappelholz wird kaum ein gewöhnlicher Kunstsammler ersteigert haben, es wurde vermutlich als Anlageobjekt gekauft. Das ca. 58 mal 39 cm große Bild von Sandro Botticelli ist wohl versicherungstechnisch, zolltechnisch und konservatorisch ein kleines Problem. Als der vor der Auktion oftmals kolportierte Preis von 80 Mio. erreicht war, vermeinte ich eine gewisse Enttäuschung und angespanntes Warten zu spüren. Im Vorfeld wurde über einen Hammerpreis von bis zu 100 Mio. USD spekuliert. Das passierte dann doch nicht.

Was den Deal so besonders macht ist die Seltenheit, die Qualität und die Hektik der Anleger angesichts der Pandemie. Das Bild mit der ominösen Inventarnummer „404“ auf der Rückseite – kann man eben NICHT zuordnen – wird aber auf die Zeit 17. oder 18. Jhdts geschätzt. Das sorgte aber für keine Zweifel an der Echtheit. Zweifel werden eher die Bieter gehabt haben, denn der Kauf ist höchst irrational, die Entscheidung komplex. Es ist besonders der Zeitpunkt inmitten einer Pandemie, der traditionelle Wertanlagen weniger attraktiv macht, aber dem Preis für außergewöhnlich Rares Auftrieb gibt.

Etwas untergegangen in dem Hype um den Botticelli ist ein Rembrand (Lot Nr. 9) der mit Schätzpreis bis 30 Mio. USD, wohl die Stimmung anheizen sollte, aber während der Auktion nicht so richtig für Furore sorgte. Das geringe Interesse wirkte wie eine Schrecksekunde. Sotheby´s erklärte später, dass die kleine biblische Szene innerhalb der Schätzpreisspanne 20 bis 30 Mio. USD privat verkauft wurde. Das Premium-Lot wurde kurzfristig auch aus dem Katatlog gestrichen.

(j.)