Wie die Chain unsere Welt Verändert

Dieser März war sicher der härteste Monat für alle NFT-Skeptiker, Blockchain-Verweigerer, allen die mit meinem Mitgefühl dachten: „Was soll das bitte?

„69 Mio. USD für eine Collage mit fragwürdiger Ästhetik , der nächste große Deal sind im Mai CryptoPunks. Laut einem Marktbericht von nonfungible.com dürfte der ärgste Wahnsinn überstanden sein. Viele Kurven zeigen nach unten. Und zwar um ca. 70 Prozent.

Alleine beim Betrachten der Bilder von Beeple stellte sich Ernüchterung ein. Nicht nur bei mir. Die Kunstjournaille zeigt sich verhalten desillusioniert über die Qualität der Bilder. Mit Christie´s will man es sich allerdings auch nicht verscherzen. Die CryptoPunks haben mehr Chancen ein dauerhafter Erfolg zu bleiben, weil sie Kult sind. Abgesehen davon sind kann man vielseitig verwenden, als Angeber-Avatar für Tech-Milliardäre zum Beispiel und sie sind generative NFTs, also Produkte eines Algorithmus.

Ein Trend der sich auf großen Plattformen wie opensea abzeichnet sind Gratisbilder. Manches ist vermutlich wirklich legal gratis – manches könnte geklaut sein. Sehe ich ein relativ gut programiertes NFT, schon 14k mal angeklickt, aber für 0 Euro noch immer zu haben – ist wohl klar, dass es von einer anderen Chain genommen wurde oder sich keiner drüber traut. Das Schreckgespenst schlechthin. Man kann ein Werk stehlen und es auf einer anderen Chain verkaufen. Das ist halt dann Betrug – eine Mona Lisa kann man auch stehlen.

Aber endlich mal zum eigentlich Thema: wie verändert jetzt nun das Konzept Blockchain die Welt?

Man kann superleicht Werbung in die Chain einbringen, die sich wie von selbst viral ausbreitet. Das geht einerseits über die Preise, zB. eben geschenkt – und trotzdem brauchbar – manche Bilder sind besser als die von den bekannten Stock-Gallerien, auch High End wie Getty.

Man hat sofort die Bildrechte, braucht sich also nicht mehr Lizenzen herumplagen. Ein Spiel, das High-End-Stock-Anbieter gerne spielen. Lizenzen sind von Veröffentlichungszahlen abhängig. Du brauchst ein Bild zur Illustration? Für ein Buchcover? Das kann teuer werden. Nette Blumen, eine Flasche Wein, ein glücksstrahlendes Gesicht. In der Chain Kein Problem: Null Euro

Was ist der Unterschied zu Instagram?

Ich muss nicht lange mit User*in chatten, ob ich das Bild haben kann, kaufen kann, sonstige Wünsche. Und einen schriftlichen Vertrag werde ich auf Insta auch kaum bekommen. Spätere Klagen bei einem NFT bleiben eher ohne Aussicht, denn es wurde ja in der Chain dokumentiert. „sientistgirl“ kann ja schelcht behaupten, nicht mitbekommen zu haben, dass ihr Werk weg ist. Sie hat eine History. Ich bin mir auch sicher, dass sich der Gesetzergeber noch einbringen wird und für Zweifelsfälle ein Machtwort sprechen wird.. So wie lange nicht klar war, ob ein Blog ein Impressum braucht. Ansonsten ist die Differenz nicht groß. Die meisten Produzenten sind sowie auf allen Kanälen unterwegs. Es wird gemintet und gleich auf twitter angekündigt. Viele Follower auf Instagram. SEO total.

Werbe-Optionen

Konsumprodukte, Clubs, Reisen, Klamotten, Investments-Websites – das ist ein Riesenpotenzial, das wohl die wenigsten durchschauen. Image-Videos aus Adobe CS, vielleicht mit Premiere geschnitten sehen dann ein bisschen alt aus, so in ein, zwei Jahren. Und das Beste, es kommt nicht wie Werbung daher. Auch nicht wie die Influencer-Highlights. Du kriegst ja schließlich ein Bild für deine Sammlung. Du bist Besitzer!

Momentan ist vieles noch autoreferenziell. Gut gemachte Werbung dreht sich um Bitcoin, Etherum, etc. Es gibt viele teure Werke, in deren Mittelpunkt die Bitcoin-Münze im Focus steht. Ein Bitcoin-Angel, zB. der schon mal >10k USD kostet. Goldrausch, Wildweststimmung.

Ich hab gestern ein Interview gelesen, in dem einer erzählt, er habe jetzt den Einstieg in das Cryptogeschäft geschafft – also er mintet jetzt – hat XX.XXX Euro gekostet. Gratulation. Ich denke, der schafft es auch im 5-stelligen Bereich einen Cheeseburger zu kaufen.

Es widerspricht eigentlich dem Gedanken der Blockchain – deswegen wurden die CryptoPunks Kult – weil es ein dezentrales Netzwerk für Technofreaks war und Wissen der Zugang, nicht Geld. Man brauchte einen halbwegs guten Rechner – eine alte Playstation tut es auch – und es herrschte Labor-Stimmung. Die CryptoPunks stammen von den Larva Labs. Wer hätte 1990 gedacht – dass man mit Webseiten Geld verdienen kann? Er herrschte ein Gefühl von Freiheit und Gleichheit. Die Wissensgesellschaft winkte nur kurz um sich für immer zu verabschieden.

Wie dezentral ist die Blockchain?

Noch ein Schlusswort zum „Dezentralen“. Eigentlich gab es mal den Gedanken, Gallerien als Gatekeeper auszuschalten. Collectors sollten selbst entscheiden, was sie gut finden und was nicht. Banken sollten nicht Oberhoheit haben und ein vom staatlich/politisch gelenkten System unabhängiges, freies Bezahlsystem erschaffen werden. Denn die Blockchain ist auf jedem Rechner, dessen User*innen daran beteiligen. Heute kann Krethi und Plethi mit ihrem ihrem Super-Easy-Bitpanda-Portfolio-Manager Bitcoins traden.

Artblocks hat das Prinzip mehr oder weniger erfolgreich auf den Kopf gestellt. Die Leute dahinter haben einen guten Geschmack und wenn etwas artblocks curated ist, schaut man zweimal hin. Es verhilft neuen Künstlern auch schlagartig zum Durchbruch. Viele Künstler stellen zuerst viel online, was in der rauhen See untergeht. Mit Erfolg bei Artblocks gelauncht klappt das dann. Einen gewissen Respektspreis wird sich das Mint erhalten. Opensea hat derzeit 15 Mio. Bilder. Deshalb weiß man dann Selektion doch wieder zu schätzen.

Bei den Banken ist es ohnehin bekannt. Sie haben zwar lange gebraucht, bis sie sich mit den Kryptos abgefunden haben. Sogar Verbote wurden überlegt. Weil das ja so gefährlich ist. Ist ja praktisch nichts, nichts Wertvolles wie bedrucktes Papier. Und vor digitalen Daten müsse man den Konsumenten schützen, die könnten ja einfach so verschwinden. Geldwäsche, Darknet, Verbrechen… jetzt sind sie nicht zuletzt wegen dem Kunstmarkt offizielles Zahlungsmittel.

Vieles vom Grundgedanken der Chain geht gerade verloren: das Dezentrale, das Ausschalten der Gatekeeper, die Unabhängigkeit von der Mainstream-Kultur. Die Chain wurde spätestens im März 2021 endgültig zum Mainstream – Chriestie´s sei Dank und man darf jetzt auch mit Kryptos bezahlen, im altehrwürdigen Auktionshaus. Umgekehrt bieten viele NFT-Künstler großzügig an, FIATS zu nehmem. (j.)