Ramsch de Luxe

Amy Winehouse, Juni 2008 in London, England. © Photo by Gareth Cattermole/Getty Images

Promi-Auktionen, Auktionen, in denen der Hausrat von Pop-Stars, Schauspielern, Stardesignern verkauft werden, hatten und haben immer Konjunktur – aber eine Kleinigkeit kristallisiert sich heraus: Der Marketing-Faktor. Und dass wirklich alles, absolut jeder Ramsch verkauft wird. Eine Auswahl findet nicht statt, verkauft wird, was weg muss.

Das letzte – das wirklich letzte Bühnenoutfit von Amy Winehouse, das mit dem Bambus-Print, ging für ca. 200k USD unter dem Hammer. Der desaströse Auftritt – eine menschliche Tragödie, hat eines der teuersten Kleider erschaffen. Amy Winehouse, eine absolute Gesangs-Perfektionistin wurde offensichtlich nicht damit fertig, dermaßen ausgebguht zu werden. Das Publikum kann grausam sein.

Davon abgesehen wurden Kleider von Dolce & Gabbana und Artikel von Moschino (die berühmte Herztasche) für aberwitzige Preise vekauft. An verrückte Preise in der Branche der gehobenen Provenienz hat man sich gewöhnt. An Kleider mit Drogen- und Alkoholspuren findet der Gewöhnungsprozess gerade statt. Im Fall von Winehouse auch noch für den guten Zweck – Alkoholprävention. Angeblich. Denn so nebenbei werden werden andere Verkäufe angekurbelt, Downloads, Fotobildbände, Kataloge. Designer-Marken profitieren, alles für den guten Zweck.

Dass wahllos Hausrat, egal ob Servietten, Trinkgläser verscherbelt werden, egal welche Qualität bewies der Start Lagerfeld-Auktions-Serie. Ein typischer „Filmset“-Sessel mit dem Namenszug „Karl Lagerfeld“, dezent devastiert, um ca. 50k Euro Hammer = 60k Euro inklusive Gebühren und Zustellung. Zustandsbeschreibung: nicht restauriert, aber eine Reinigung würde nicht schaden. Oder wie sich die Redakteure bei Sotheby´s ausdrücken: „The cotton fabrics would benefit from cleaning.“

Die Lots waren eher mittelmäßig und der Verkauf zog sich, die Summen um die es ging, waren irrational. Aber das ist in dieser Welt kein Argument. Immerhin erzielten die Lots mit etwa sechs Handschuhen, also den Fingerlingen, Summen von ca. 20k Euro. Ob getragen oder nicht schreibt Sotheby´s nicht dazu. Julien´s sehr wohl. Denn es macht denen sehr wohl etwas aus, wenn ein und dasselbe Modell in verschiedenen Farben abverkauft wird, mal getragen mal nicht getragen.

Irgendwie werden die Promi-Ramsch-Märkte, freiwillig oder nicht, immer mehr zu leicht voyeuristischen Flohmärkten für Marken und Namen. Was hat er/sie besessen. Ich weiß jetzt, dass die Retro- Outfits von Amy von namhaften Desigenern waren, die Herzchen-Shades nicht von der Tankstelle. Dass „Karl“ Sachen hatte, wie Gläser von von Val-Saint-Lambert – wobei sich hier die Kunstexperten von Sothhey´s nicht die Mühe machten das zu verifizieren. Gläser die auf jedem mittelmäßig sortierten Flohmarkt zu finden sind. Künstlerisch unter dem Niveau der berühmten Glasmanufaktur, vermutlich deshalb auch nicht auf den ersten Blick zuordbar. Ein „zugeschrieben“ reicht für´s erste, Hauptsache es stammt aus einem Schloss von Lagerfeld.

Warum genau die Sachen jetzt auf den Markt kommen ist ein Rätsel. Die reichen Erben werden wohl keine Lagerprobleme haben, oder doch? Viele Möbel waren sehr speziell, auch manche Bilder etwas angestaubt, zB. mittelmäßige Landschaften deutscher Maler aus dem 18. und 19. Jhdts. Aber für solche Dinge hat sich das Publikum nicht wirklich interessiert – sie blieben preislich auf marktüblichem Niveau. Vielleicht ein bisschen darüber, aber unmerklich. Extrem niedrig angesetzte Rufpreise wie man sie von ebay kennt, haben wahre Bieterschlachten entfacht. Wenn eine Handzeichnung von Versace um einige 100 Euro ansetzt wird – ist klar – dass hier 3 Nullen dazukommen. Durch die Decke ging alles mit „KL“ verzierte, Skizzenbücher, die typischen Fächer und die natürlich die Mitaines.

Auktion Karl Lagerfeld Monaco

Ergebnisse Auktion Lagerfeld online

Amy Winehouse – Ergebnis-Liste

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