Damien Hirst will tausende Bilder verbrennen

Wo ist das Problem, werden sich manche seiner Kritiker fragen? Und in der Tat, was sich nach einer dramatischen Sinnkrise anhört, ist nicht anderes als der neue Coup von Superstar Damien Hirst.

Damien Hirst, 2012
© Photo by Dave M. Benett/Getty Images

In der Newport Street Gallery in London will Hirst als Teil eines NFT-Projekts mit dem Titel „The Currency“ auf die wahren Probleme der Kunstwelt aufmerksam machen, die da wären: Kunst wird zu einer Währung. „Kunst ist eine Währung und die Währung wird zur Kunst“ erklärte er bereitwillig der „Art Newspaper“ . Am 9. September 2022 werden Besucher seines Privatmuseums die Möglichkeit haben, Bilder die sie von ihm erworben haben, verbrennen zu lassen oder die einst 2000-USD-teuren physischen Bilder in Form eines NFT weiter zu besitzen.

Die Idee ist nicht neu, war es doch Pak, der für das Löschen von NFTs eine eigene Währung ASH erfunden hatte. Jetzt ist die Sache einen Schritt weiter. Die Besitzer der 10.000 kleinen Bilder mit den farbigen Punkten, die Hirst seit 2016 fabriziert hat und 2021 mit einem NFT verlinkt hat, müssen sich nun entscheiden. Entweder das NFT oder das Bild behalten. 4137 möchten lieber das NFT haben – die verbleibenden 5863 wollen dann doch das gemalte Bild. Wenn das nicht die Antwort auf tiefgreifende Fragen von Kunst und Markt ist?

Die Idee schlägt ein wie eine Granate und belebt die totgeglaubten NFT neu. Genialer Marketing-Gag, punktgenaue Performance, unglaublich viel Gratiswerbung – alle Medien berichten darüber. Damien Hirst beweist wieder einmal, dass er es kann, die Kunstwelt in Atem zu halten und die teuersten Werke der Epoche zu erschaffen.

Die Preise auf Opensea.io, dem größten Sekundärmarkt für NFTs bewegen sich zwischen 5,75 und fast 9000 ETH, wobei die ganz hohen Preise meist eher nicht so ernst gemeint sind. Der ETH-Kurs ist zwar am Boden, aber ein ETH kostet heute immer noch rund 1500 Euro. Aber auch die Werke auf Papier, die auf diversen Plattformen angeboten werden, kosten mittlerweile um die 25.000 Euro. Die Newport Street Gallery hat momentan geschlossen und gibt keine weiteren Hinweise auf die Geschehnisse im Herbst.

(jg)