Fünf Jahre danach… was wurde aus „Salvador Mundi“?

Ein Bild das viele Fragen aufwirft – auf die es selbst fünf Jahren nach dem Verkauf keine Antworten gibt. Im November 2017 wurde das Bild bei Christie´s als das teuerste Bild aller Zeiten verkauft. Ein echter Leonardo da Vinci? Warum wird es von vielen Institutionen nicht als Original anerkannt? Wo ist es derzeit physisch? Was hat es mit der Garantie bezüglich der Echtheit auf sich?

Mit 450 Mio. USD hält „Salvador Mundi“ den Rekord der Rekorde. Die Geschichte des Bildes ist lang. Sie beginnt im späten 15. Jahrhundert.

Da Vinci hat um ca. 1478 möglicherweise Bartolomeo della Gatta’s „Salvator Mundi“ in Urbino, oder eine Kopie gesehen, welche Da Vinci inspirierte. Bei solchen Zeiträumen muss man als Kunsthistorikerin oder Kunsthistoriker immer im Klaren sein, dass dies Geschichten sind, die mehr oder weniger Wahrheitsgehalt haben. Doch dieses Bild von Da Vinci wurde immer wieder dokumentiert – und zwar mehrfach – bis zu 27 Kopien wurden genannt.

1496 bis 1498 könnte Leonardo da Vinci ein ähnliches Bild entworfen und gemalt haben. Ab 1508 entstehen Kreidezeichnungen von dem Bild, die jetzt in der Royal Collection sind. Bis ins 20. Jhd. tauchen über die Jahrhunderte immer wieder Variationen des Themas auf, ähnliche Gemälde, die auch verschiedenen Künstlern zugeordnet wurden. Giovanni Antonio Boltraffio, Bernardino Luini, Gian Giacomo Caprotti und Francesco Melzi malen Bilder in Anlehnung von originalen Skizzen Da Vincis.

Eine Kopie wird im Jahr 1900 an Sir Francis Cook für 120 Pfund verkauft und soll von Bernardino Luini stammen. Dieses Bild soll später Da Vincis Assistenten Boltraffio zugeschrieben worden sein und gelangte für 45 Pfund an einen Warren E. Kuntz in New Orleans.

2005 wird das Bild wird an der Wand einer Kellertreppe in New Orleans entdeckt und für 1000 USD + 175 USD Gebühren verkauft. In diesem Jahr beginnt die Restaurierung des Bildes, dessen Zustand als „schwer beschädigt und mehrfach übermalt“ beschrieben wird. Mit Röntgen-Aufnahmen werden orginale Teile entdeckt. Aber auch Widersprüche.

2011 versucht der Kunsthändler Warren Adelson es zu verkaufen, zuerst an das Metropolitan Museum in New York, in der Folge an weitere bedeutende Museen. Im selben Jahr wird es auch in der National Gallery in London ausgestellt.

Im Mai 2013 gelangt das nun restaurierte Bild über Zwischenhändler an Yves Bouvier, der es für 127,5 Mio. USD an Dmitry Rybolovlev verkauft hatte, von dem angenommen wird, dass er das Gemälde in einer Zollfreizone am Flughafen in Genf bis 2017 aufgebwahrt hatte.

2017, am 15. November, verkauft es Christie´s mit einem Schätzpreis von 100 Mio. USD an einen Bieter über Telefon – der später als Prinz Mohammed bin Salman genannt wird. Abu Dhabis Ministry of Culture soll laut Christie´s der eigentliche Besitzer des Bildes sein. Die Ereignisse in 2017 überschlagen sich mit dem Ergebnis, dass der Louvre Abu Dhabi in einer Erklärung bekannt gibt, das Bild zu besitzen. Dennoch, das Bild bleibt verschwunden. Eine Yacht von bin Salman wird als vorläufiger Aufbewahrungsort angenommen. Zwei Jahre später, 2019, soll es in einer großen Da-Vinci-Show im Paris gezeigt werden, es wird in einem Katalog vom Louvre in Paris angekündigt, doch das Bild taucht dort niemals auf.

Ab 2018 begannen wissenschaftliche Analysen, im Louve Paris mit der Gemehmigung vom Kulturministerium Saudi Arabiens. Die Zweifel an der Echtheit werden wieder und wieder bestätigt, es scheint sich um ein Werk von Schülern von Da Vinci zu handeln. Die Zweifel bestehen weiter und es bleibt bei einem „Attributed to“, also der Schule Da Vincis zugeschrieben. Eine angeblich 5-Jahres-Garantie, in der das Bild im Falle einer falschen Zuschreibung zurückgegeben werden könnte, würde vermutllich genau daran scheitern. Denn es wurde nie behauptet, dass nur Da Vinci alleine das Bild gemalt hätte.

Inzwischen wurden unzählige Dokumentationen veröffentlicht, in Print, Video und Kino. 2021 wird der Kunst-Thriller „The Lost Leonardo“ (Trailer)  veröffentlicht. Auf youtube können unzählige Dokumentationen von bedeutenden Sendern gestreamt werden. Ebensoviele Bücher sind auf dem Markt. Ob sich bezüglich der Garantie und einer möglichen Rückabwicklung des Kaufes etwas entscheiden wird ist unklar, aber sehr unwahrscheinlich.

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Circa 1490-1519, oil on panel, 45.4 cm × 65.6 cm (25.8 in × 17.9 in), private collection. Photo by VCG Wilson/Corbis via Getty Images